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FREI NACH NIETZSCHE

Liebe Leserinnen und Leser,

meinen PP-Newsletter habe ich in zwei Teile aufgespalten, die getrennt versendet werden. In einen „allgemeinen“ (Teil A) und in einen Börsenteil (Teil B), der sich an Anleger richtet. Beide Teile werden aus technischen Gründen im wöchentlichen Wechsel versendet werden, um ein zu hohes Mailaufkommen zu verhindern. Heute ist wieder Teil A an der Reihe.

Lassen Sie mich heute mit einer Richtigstellung beginnen: In der letzten Ausgabe dieses Newsletterteils hatte ich geschrieben, dass die Bayerische Staatskanzlei Art. 2a Kreditermächtigung zur Finanzierung von Kapitel 13 19 – Sonderfonds Corona-Pandemie bereits am 24. Mai 2019 geändert habe, was auf ein Vorwissen der kommenden „Pandemie“ hingedeutet hätte.

Das ist so nicht richtig; der Artikel wurde erst später geändert. Völlig offen ist und bleibt die Frage, warum die Staatskanzlei dennoch bis heute dezidiert von der „Fassung vom 24.05.2019“ spricht und damit selbst für die Irreführung verantwortlich zeichnet.

Also sprach Zarathustra

Gerüchteweise wabern die angeblichen Pläne der rotschwarzen Regierung mit Grünenhintergrund ja schon länger durchs Land; in dieser Woche aber nahmen sie konkretere Konturen an. Im Einzelnen:

Das rund eine Billion teure, schuldenfinanzierte „Sondervermögen“, laut Ifo-Institut und anderen „Forschenden“ nahezu ausschließlich für andere als die den Bürgern versprochenen Zwecke verbraten, reicht der spendierfreudigen Koalition des „Herbstes der Reformen“ vorne und hinten nicht, um das Klima zu schützen, die Bundeswehr kriegstüchtig zu machen, hunderte angeblicher NGOs zur Rettung „unserer Demokratie“ durchzufinanzieren und der unaufhörlich ansteigenden Flut von Zuwanderern und ihren Familien aus aller Herren Länder ein sorgen- und arbeitsfreies Leben zu garantieren und den Zustrom weiter zu befeuern. Sie erinnern sich an Herrn Merz‘ wohl nicht ganz ernst gemeintes Versprechen:

„Ich werde im Fall meiner Wahl zum Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland am ersten Tag meiner Amtszeit das Bundesinnenministerium im Wege der Richtlinienkompetenz des Bundeskanzlers anweisen, die deutschen Staatsgrenzen zu allen unseren Nachbarn dauerhaft zu kontrollieren und ausnahmslos alle Versuche der illegalen Einreise zurückzuweisen.“ Die Zurückweisung gelte „ausdrücklich auch für Personen mit Schutzanspruch“.

Der einfache Bürger scheint bis heute nicht verstanden zu haben, dass Bundeskanzler Merz als vorgeblicher Kontrahent der Ex-Kanzlerin Merkel doch auch nur strikt auf ihrer Linie liegt, womit er nicht mehr und nicht weniger tut als in die Fußstapfen Olafs des Vergesslichen zu treten. Schon im Februar 2008 ließ „Mutti“ uns wissen:

Man kann sich nicht darauf verlassen, dass das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt.

Und wir müssen damit rechnen, daß sich das

in verschiedenen Weisen wiederholen

kann.

Um die sich aus genannten Gründen auftuenden Finanzlöcher zu stopfen, folgt jetzt ein geplanter „Sommer der Reformen“. Anders als bei seinem in den Sand gesetzten herbstlichen Vorgänger geht es jetzt aber nicht um das Ankurbeln der jetzt schon im dritten Jahr der Rezession befindlichen Wirtschaft, sondern um ein noch weiter verschärftes Ausplündern des arbeitenden Teils der Bevölkerung. Und dabei geht es dem Vernehmen nach so richtig ans Eingemachte. Selbst in der SPD schäumen viele Genossen ob Herrn Klingbeils Ideen.

Von einer Anhebung der Mehrwertsteuer um zwei oder auch drei Prozentpunkte ist die Rede, von der Abschaffung des Ehegattensplittings, der Streichung der beitragsfreien Familienversicherung in der KV und dem Anzapfen der Verdienste auch von Minijobbern.

Und das in einer Zeit, in der das Land durchs dritte Jahr der Rezession taumelt, die Inflation mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder kräftig anziehen wird, die Zinsen steigen, die Mieten weiter explodieren, immer mehr Unternehmen in die Insolvenz rutschen und einmal abgesehen vom Finanzamt im Lande so gut wie nichts mehr zu funktionieren scheint.

Alles in allem haben wir es mit einer Gemengelage zu tun, die nach Steuersenkungen, einem Bürokratieabbau und einer Reduzierung der staatlichen Ausgaben regelrecht schreit. Getan bzw. geplant wird das genaue Gegenteil. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland bedeutet diese Politik wahrscheinlich den Todesstoß. Um es mit Friedrich Nietzsche auszudrücken: „Was fällt, das soll man auch noch stoßen.“

Zwar verkündet Vizekanzler und Finanzminister Klingbeil, dass es auch eine kleine und mittlere Einkommen entlastende ESt.-Reform geben solle, aber dabei dürfte für den Bürger bestenfalls ein „linke Tasche rechte Tasche“-Ergebnis herauskommen.

Die Ausgabenseite ins Visier zu nehmen, kommt der Regierung offensichtlich nicht in den Sinn. Das ist sogar nachvollziehbar. Denn dann müsste man sich ja u. a. mit solchen Fragen beschäftigen wie, warum die Ausgaben für „Soziales“ seit 2015 völlig aus dem Ruder gelaufen sind, warum der Wohnraum immer knapper und immer teurer wird und warum Hunderttausende völlig kostenlosen Zugang zum Gesundheitssystem haben. Aber diese Fragen stellen sich nur die Bürger, nicht die für diese Missstände Verantwortlichen.

Begehrlichkeiten wecken beim Finanzminister derweil auch die Sparguthaben der Menschen. Der Kanzler geht noch einen Schritt weiter und bezieht in seine Überlegungen auch die Girokonten mit ein. Und kommt so auf die Summe von 2,88 Billionen Euro, die „mobilisiert“ werden könnten. Warten wir ab, bis das EU-Vermögensregister an den Start geht, dann wird‘s noch lustiger. ...

Die Tage werden länger

Heute Nacht ist es wieder soweit: Die Uhren werden auf die Sommerzeit umgestellt. Laut einer Umfrage der EU-Kommission von 2018 wollen 84 Prozent der Bürger der EU-Mitgliedsländer diese Zeitumstellungen zwar nicht mehr, aber Brüssel hat es auch nach nunmehr acht Jahren nicht geschafft, diesem Votum Folge zu leisten. Schließlich hat man dort ja auch Schlechteres Besseres zu tun

Einheitlich eingeführt wurde die Zeitumstellung in der EU 1996, in Deutschland aber schon 1980. Just zu einer Zeit also, als die klassischen Zeiger-Armbanduhren Konkurrenz durch die Digitaluhren bekamen. Mit der Folge, dass die meisten Menschen erstens nicht so recht wussten, ob die Uhren vor- oder zurückgestellt werden mussten und zweitens, wie das denn bei einer Digitaluhr zu bewerkstelligen war.

Heute sieht es anders aus. Und der Fortschritt hat dazu geführt, dass die allermeisten Kinder und Jugendlichen keine analoge Uhr mehr lesen können. Aber egal. Die Tage werden wieder länger, heißt es im Volksmund. Und der tut einmal mehr die Wahrheit kund!

„Forschende“ haben nämlich herausgefunden, dass der Klimawandel - was denn auch sonst - die Erdrotation dermaßen verlangsamt, dass die Tage nun länger werden. Allein zwischen den Jahren 2000 und 2020 hat sich die Tageslänge um 1,33 Millisekunden pro Jahrhundert verlängert, was dem größten Zuwachs der vergangenen 3,6 Millionen Jahre entspricht.

Das kann man nun glauben oder auch nicht. Aber muss „die Wissenschaft“ denn deswegen gleich auf den Panikknopf drücken? Ich persönlich empfinde die jetzt um 0,0000364 tausendstel Sekunden längeren Tage als eine ganz feine Sache. Alles entschleunigt sich: Morgens im Bett noch einmal herumdrehen, gelassener auf den Zug warten und hier und da den neuen Zeitpuffer genießen. Beispielsweise, um darüber nachzusinnen, an was denn heute so alles herumgeforscht wird oder alternativ auch in der Nase herumzupopeln.

https://de.euronews.com/2026/03/14/klimawandel-verlangsamt-erdrotation-tage-werden-erstmals-seit-millionen-jahren-langer (Link bitte kopieren und in Ihren Browser einfügen).

Das kann ja Eiter werden!

Vor vier Wochen begannen die Angriff der USA und Israels auf den Iran. Und hier im Newsletter erlaubte ich mir, umgehend darauf hinzuweisen, dass die USA in ihrer Selbstüberschätzung einmal mehr den immer gleichen Fehler begingen, auch nur einen einzigen Gedanken an eine Exit-Strategie zu verschwenden.

Vorgestern dann fiel das auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius auf, der bei einem Australienbesuch meine Formulierung fast wörtlich aufgriff.

https://www.br.de/nachrichten/meldung/pistorius-beklagt-fehlende-exit-strategie-fuer-iran-krieg,3007bad17

Gemutmaßt hatte ich damals ebenfalls, dass die USA die militärischen Kapazitäten des Irans wohl sträflich falsch einschätzten. Auch das war wohl alles andere als verkehrt.

Wie bekannt, ist die Wahrheit in einem Krieg immer das erste Opfer. Aber unter dem derzeitigen US-Präsidenten greift diese Feststellung viel zu kurz. Denn Mr. Trump liefert fast täglich neue „Wahrheiten“, fordert, rudert zurück, stellt Ultimaten, die er verlängert, droht mit dem Entfesseln der Hölle und spricht von erfolgreichen Verhandlungen, während der Iran von irgendwelchen Gesprächen nichts zu wissen behauptet.

Die Börsen, gestatten Sie mir diesen abschließenden Schwenk, stehen am Rande einer Katastrophe. Zumindest für Anleger, die davon nicht zu profitieren wissen. Aber kommt es zu dieser Katastrophe, ist sie für alle nichts anderes als ein Geschenk für einen preiswerteren Neueinstieg!

Mit vor-österlichen Grüßen!

Axel Retz

„Im Kriege verlieren alle, auch die Sieger.“

aus Schweden

„Wer nicht weiß, was Krieg ist, der gehe in den Krieg.“

aus Spanien

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